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Beim Streit über die Entsorgungscoupons ist kein Ende in Sicht

·318 Wörter·2 min

Über kaum ein Thema hat die Stadtzürcher Politik im vergangenen Jahr lustvoller gestritten als über die Entsorgungscoupons. Eigentlich geht es um die Frage, ob die Stadtbevölkerung auch in Zukunft einen Teil ihres Sperrmülls gratis entsorgen darf.

Der Stadtrat und insbesondere Simone Brander (SP) lehnen dies ab. Die Gratisentsorgung widerspreche dem Ziel, Abfall zu vermindern. Vor anderthalb Jahren wurden die Coupons, die jeden Haushalt zu jährlich 400 Kilogramm kostenloser Entsorgung berechtigten, gestrichen.

Privileg für Velos
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Die aktuelle Praxis ist jedoch nicht konsequent:

  • Wer Sperrgut ohne Auto (Lastenvelo, Handwagen) zu mobilen Recyclinghöfen bringt, entsorgt gratis.
  • Wer auf das Auto angewiesen ist, zahlt.

Diese Regelung stösst auf Widerstand. Das Parlament versuchte mehrfach, die Coupons zu retten. Stadträtin Brander blieb stur und scheiterte zuletzt im Oktober mit einer Aufsichtsbeschwerde gegen das Parlament vor dem Bezirksrat.

Vorwurf des Machtmissbrauchs
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Am Mittwochabend ging der Streit im Parlament in eine neue Runde. Emanuel Tschannen (FDP) warf Brander Machtmissbrauch vor. Er kritisierte, dass der Stadtrat Beschlüsse der Parlamentsmehrheit – wie das Postulat vom September 2024 zur Beibehaltung der Coupons – schlicht ignoriere.

Positionen der Fraktionen
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Die bürgerliche Seite sieht in der Aufhebung eine Sackgasse:

  • Mitte/GLP: Benedikt Gerth bezeichnete die Praxis als diskriminierend. Besonders Menschen mit eingeschränkter Mobilität seien auf das Auto angewiesen. Die “ideologische Politik” müsse korrigiert werden.
  • SVP: Stephan Iten wies auf illegal entsorgte Möbel am Strassenrand hin. Die Abholung durch die Stadt sei kaum günstiger als die Abgabe von Coupons.

Die linke Ratsseite (SP, Grüne, AL) verteidigte den Kurs. Man habe die Zahl der mobilen Recyclinghöfe erhöht, die Metallentsorgung kostenlos gemacht und hole Karton nun wöchentlich ab. Dies entlaste die Bevölkerung ausreichend.

Entscheidung vertagt
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Zwar wurde am Mittwoch noch nicht abgestimmt, doch zeichnet sich eine Mehrheit für den Stadtrat ab, da die AL das Lager gewechselt hat. Das letzte Wort ist dennoch nicht gesprochen: Die SVP hat bereits eine Volksinitiative zur Wiedereinführung der Coupons lanciert.


Quelle: NZZ E-Paper vom 16.01.2026